China Innovationsreise 2026: Mein Reisetagebuch aus Peking, Shenzhen und Guangzhou

Gruppenbild mit der Freundschaftsgesellschaft in Beijing - China Innovationsreise 2026

Kurz zusammengefasst: Sieben Tage China-Innovationstempo live erlebt – im April 2026 war ich mit einer Gruppe aus Unternehmern, Entscheidern und Innovationsinteressierten gemeinsam mit unserem Partner Future Candy in Peking, Shenzhen und Guangzhou unterwegs. Auf dem Programm standen unter anderem Kuaishou, JD.com, UB Tech, BYD, EHang und iCarbonX. Die nächste China Innovationsreise findet im April 2027 statt.

Eine Woche China. Peking, Shenzhen, Guangzhou.

Mit einer Gruppe aus Unternehmern, Entscheidern und Innovationsinteressierten war ich wieder gemeinsam mit unserem Partner Future Candy unterwegs, um uns eine einfache Frage anzuschauen: Wie innoviert China heute wirklich?

Nicht aus der Distanz. Nicht aus LinkedIn-Diskussionen oder geopolitischen Schlagzeilen. Sondern direkt vor Ort, in Unternehmen, Laboren, Robotik-Fabriken, Einkaufszentren, Startup-Hubs und im Gespräch mit chinesischen Unternehmern, Forschern und Institutionen.

Und wie nach jeder China-Reise bleibt vor allem ein Gefühl zurück: Europa unterschätzt massiv, wie schnell sich dort gerade ganze Industrien verändern.

Tag 1 – Peking: Ankommen und Einordnen

Nach der Ankunft der Gruppe in Peking starten wir mit einer Masterclass zur Geschichte Chinas, von Maos Aufstieg bis zum innovativen Powerhouse von heute. Wer Chinas Gegenwart verstehen will, muss zuerst seine Geschichte verstehen, und genau deshalb beginnen wir bewusst mit Kontext statt mit dem ersten Firmenbesuch.

Am Abend geht es dann klassisch weiter: Peking-Ente zum Ankunftsabend. Kennenlernen, erste Eindrücke von der Einreise austauschen, und dazu lerne ich unseren deutschsprachigen Guide Han kennen, der uns die kommenden Tage großartig durch Beijing begleiten wird.

Bild vom gemeinsamen Pekingenten Essen

[Bild: Reisegruppe beim gemeinsamen Peking-Ente-Essen am ersten Abend]

Tag 2 – Zwischen Hutongs, Großer Mauer und Hotpot

Der erste komplette Tag startet wieder mit Kultur. Nach einem Spaziergang durch die Hutongs und einem Sichuan-Mittagessen geht es zur Chinesischen Mauer bei Mutianyu. Am Abend spazieren wir hinter dem Tiananmen-Platz entlang und bekommen ein Gefühl dafür, wie eng Geschichte, Macht und Identität hier bis heute miteinander verwoben sind.

Spaziergang auf der Mauer und in den Hutongs in Beijing

[Bild: Blick auf die Chinesische Mauer bei Mutianyu und Spaziergang durch die Pekinger Hutongs]

Auch kulinarisch werden einige Klischees schnell widerlegt: Chinesisches Essen schmeckt vor Ort deutlich besser als sein Ruf in Europa. Besonders abends, im berühmten Hotpot-Restaurant Haidilao, verschwimmen Tradition und Technologie auf fast absurde Weise. Während am Tisch getanzt, Karaoke gesungen und Nudeln performativ gezogen werden, übernehmen an anderer Stelle bereits Roboter Teile des Service.

Haidilao Show

[Bild: Nudelshow und Roboter-Service im Hotpot-Restaurant Haidilao]

Tag 3 – Kuaishou, Guanxi und Zhongguancun

Unser erster Unternehmensbesuch führt uns zu Kuaishou, einem der größten Tech-Unternehmen Chinas und direktem Wettbewerber von TikTok. Über 30.000 Mitarbeiter arbeiten dort an Themen wie Social Commerce, Livestreaming und KI-generierter Content-Produktion.

Bemerkenswert: Kuaishou entwickelt mit Kling AI mittlerweile eines der spannendsten chinesischen GenAI-Modelle für Videoerzeugung. Dort wird bereits offen darüber gesprochen, wie KI künftig Livestreaming automatisieren könnte, inklusive virtueller Hosts und KI-generierter Verkaufsstreams. Was in Europa oft noch wie Zukunftsmusik klingt, wird hier bereits operativ gedacht.

Der eigentliche Unterschied liegt aber tiefer: In China sind Content, Commerce und Payment längst zu einem einzigen Ökosystem verschmolzen. Creator verkaufen direkt aus dem Stream heraus, Unterhaltung, Vertrieb und Conversion passieren gleichzeitig. Während westliche Plattformen diese Welten oft noch voneinander trennen, wirkt das chinesische Modell deutlich integrierter.

Kuaishow Besuch

[Bild: Präsentation der Kling-AI-Technologie bei Kuaishou in Peking]

Beziehungen als Infrastruktur

Am Nachmittag folgt ein offizieller Empfang bei der Chinesischen Freundschaftsgesellschaft, in einem historischen Gebäude eines ehemaligen Generals mitten in Peking. Und genau dort wird wieder etwas deutlich, das viele westliche Unternehmen in China unterschätzen: Technologie allein reicht nicht, Beziehungen bleiben zentral.

Guanxi ist kein Networking-Begriff. Es beschreibt Vertrauen, langfristige Beziehungen und persönliche Verbindungen. In vielen Gesprächen wird klar: Wer in China nachhaltig arbeiten möchte, braucht Geduld, kulturelles Verständnis und echte Präsenz vor Ort. Wir tauschen uns überraschend offen aus, von Technologie über Politik bis zum Essen.

Besprechung am Tisch mit der Freundschaftsgesellschaft in Beijing

[Bild: Empfang bei der Chinesischen Freundschaftsgesellschaft in Peking]

Zhongguancun: Das chinesische Startup-Modell

Später besuchen wir den Zhongguancun Internet Park, einen Teil des oft als chinesisches Silicon Valley bezeichneten Innovationsökosystems in Peking. Die Geschichte dieses Standorts erzählt viel über Chinas Innovationsmodell. Bereits in den 1980er-Jahren siedelten sich rund um die Elite-Universitäten Tsinghua und Peking University erste Technologieunternehmen an. Aus kleinen Elektronikmärkten und Forschungsclustern entstand über Jahrzehnte eines der wichtigsten Innovationszentren Chinas, heute Heimat von Konzernen wie Lenovo, Baidu und zahlreichen KI- und Robotik-Startups.

Vor Ort bekommen wir Einblicke in das lokale Startup-Ökosystem, sehen Prototypen, Robotik-Projekte und KI-Anwendungen. Anders als im Westen fällt auf: Viele chinesische Startups denken extrem schnell in Skalierung und Industrialisierung.

Präsentation im Zhongguancun Internet Park

[Bild: Startup-Showroom im Zhongguancun Internet Park]

Und noch etwas wird deutlich: China organisiert Innovation häufig in hochspezialisierten Mikro-Ökosystemen, mal für Robotik, mal für E-Autos, mal für Produktion oder KI. Je dichter Unternehmen, Talente, Zulieferer und Forschung physisch zusammenrücken, desto schneller entsteht Innovation. Weniger Pitch-Decks, mehr Umsetzung. Diese Geschwindigkeit begegnet uns während der gesamten Reise immer wieder.

JD Mall: Wenn Retail zum Datenlabor wird

Ein besonders gutes Beispiel dafür ist unser Besuch der JD Mall in Peking. 50.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, kombiniert mit Echtzeit-Datenauswertung aus dem Onlinehandel von JD.com. Das Unternehmen testet hier ein vollständig „phygitales“ Retail-Modell: Besucherströme werden analysiert, Produkttests ausgewertet, Online- und Offline-Daten zusammengeführt. Der stationäre Handel wird dadurch nicht ersetzt, sondern datengetrieben optimiert.

Gleichzeitig stehen dort bereits Shops von Robotikunternehmen wie Unitree, bei denen humanoide Roboter inzwischen für wenige tausend Euro verkauft werden. Humanoide Robotik verlässt in China gerade das reine Forschungsstadium und wird zunehmend zum Konsumprodukt.

Selbst kleine Details zeigen, wie experimentierfreudig der Markt geworden ist: In der Mall testet JD aktuell Roboter, die künftig autonom Kaffee zubereiten und dabei die Kaffeemaschinen direkt vorführen sollen, die man anschließend online bestellen kann.

Unitree Roboter in der JD Mall in Beijing

[Bild: Humanoide Roboter im Unitree-Shop der JD Mall in Peking]

 

Kaffee mit unserem Bild darauf

[Bild: Roboter bereitet Kaffee zur Produktvorführung in der JD Mall zu]

Tag 4 – Shenzhen: Das Betriebssystem der Hardware-Welt

Am nächsten Tag geht es nach Shenzhen. Nach der Landung verändert sich die Stimmung in der Gruppe sichtbar. Shenzhen wirkt weniger wie eine klassische Stadt, sondern eher wie eine gigantische Testumgebung für neue Technologien. Zwischen Hochhäusern, Robotaxis, Drohnen und Elektroautos entsteht der Eindruck, dass Innovation hier nicht als Ausnahme gedacht wird, sondern als Normalzustand.

Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick in einem großen Einkaufszentrum, in dessen Untergeschoss rund zehn chinesische Autohersteller kleine Showrooms betreiben, eine gute Gelegenheit, viele meist unbekannte Autos einmal selbst anzufassen: BYD, Zeekr, Li Auto, Xiaomi und einige mehr. Selbst Huawei verkauft inzwischen verschiedene Automarken, die vollständig auf dem eigenen Software-Ökosystem basieren. Besonders auffällig: Die Grenzen zwischen Tech-Unternehmen, Plattformen und Automobilherstellern verschwimmen zunehmend.

Viele der dynamischsten chinesischen Automarken kommen inzwischen nicht mehr aus klassischer Automobiltradition, sondern aus dem Smartphone-, Software- oder Plattformumfeld. Noch auffälliger ist die Geschwindigkeit: Modelle mit Reichweiten jenseits der 1.000 Kilometer werden inzwischen zu Preisen angeboten, die westliche Hersteller massiv unter Druck setzen dürften.

NEV Showrooms in Shenzhen

[Bild: Showroom eines chinesischen Autoherstellers in einem Shenzhener Einkaufszentrum]

Danach schauen wir uns Essenslieferungen per Meituan-Drohne an, die in einigen Parks mittlerweile zum Stadtbild gehören. Anschließend steht das Highlight des Tages an: unser erster Ride mit einem autonomen Taxi von Pony.ai. Per App buchen wir ein selbstfahrendes Fahrzeug, das sich vollkommen selbstverständlich durch den Verkehr bewegt. Für viele aus der Gruppe einer dieser Momente, in denen man merkt, wie weit bestimmte Technologien hier bereits im Alltag angekommen sind. Für die Einheimischen hingegen längst Normalität.

Test eines autonomen Taxis in Shenzhen

[Bild: Reisegruppe beim Einsteigen in ein autonomes Pony.ai-Taxi in Shenzhen]

Und genau darin liegt vermutlich einer der größten Unterschiede: China diskutiert neue Technologien oft nicht jahrelang theoretisch, sondern bringt sie schnell in reale Anwendung. Abgerundet wird der Tag mit einem kulinarischen Ausflug in die Yunnan-Küche.

Tag 5 – Abstecher nach Guangzhou: Padbot, Knowledge City und EHang

Mit dem Bus geht es für einen Tag nach Guangzhou, zunächst zu Padbot, einem Serviceroboterhersteller, der uns stolz seine gesamte Roboterpalette vorstellt. Ein Sales-Mitarbeiter, der perfekt Deutsch spricht, beantwortet uns dabei viele Fragen. Was im Westen häufig noch als Messe-Demo gezeigt wird, ist hier oft längst operativer Alltag.

Padbot Service Roboter Ausstellung

[Bild: Servicerobotor-Vorführung beim Hersteller Padbot in Guangzhou]

 

Die Knowledge City: Stadtentwicklung als Innovationsstrategie

Besonders deutlich wird Chinas Größenordnung in der China-Singapore Guangzhou Knowledge City: eine komplette Innovationsstadt für mehrere hunderttausend Menschen, innerhalb weniger Jahre aufgebaut. Universitäten, Forschungszentren, Startups, Wohnraum und Industrie werden dort systematisch zusammen gedacht. Der Maßstab ist kaum mit europäischen Projekten vergleichbar.

Und gleichzeitig wird klar: China denkt Innovation längst nicht mehr nur als Technologiefrage, sondern als Kombination aus Infrastruktur, Kapital, Talentförderung und Geschwindigkeit.

Vogelperspektive auf die China-Singaporean Knowledge City

[Bild: Luftaufnahme der China-Singapore Guangzhou Knowledge City]

 

EHang und die neue Realität der Luftmobilität

Besonders eindrucksvoll wird das Thema Zukunftsmobilität bei unserem Besuch bei EHang in Guangzhou. Das Unternehmen arbeitet an autonomen Flugtaxis und testet diese nicht nur, sondern betreibt in einigen Regionen bereits erste kommerzielle Anwendungen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Personentransport: Themen wie Feuerwehrdrohnen, autonome Rettungssysteme oder urbane Luftlogistik werden konkret entwickelt.

Autonomes Flugtaxi von Ehang

[Bild: Autonomes Flugtaxi von EHang bei der Präsentation in Guangzhou]

Den Tag lassen wir kulinarisch in einem Restaurant der Hakka-Minderheit ausklingen, bevor es ausnahmsweise mit dem Highspeed-Zug zurück nach Shenzhen geht.

Tag 6 – UB Tech, der Robot Store und BYD

Mit UB Tech besuchen wir einen der führenden Hersteller humanoider Roboter, der uns Einblick in seine aktuellen Pläne und den Stand der Praxistests gibt. Überall wird versucht, konkrete Use Cases zu schaffen und möglichst viele Roboter bereits in die Anwendung zu bringen. Das gelingt nicht immer perfekt, aber es wird bereits in erstaunlicher Breite bei vielen Kunden getestet und dabei Daten generiert.

UB Tech Demo eines humanoiden Roboter

[Bild: Demonstration eines humanoiden Roboters von UB Tech]

 

Danach geht es zum Robot Store, der einige Überraschungen bereithält. Man kann dort nicht nur unglaublich viele Roboterprodukte anschauen und kaufen, im zweiten Stock gibt es sogar eine Art Spielhalle, in der man Roboterhunde steuern, Roboter gegeneinander kämpfen lassen und sogar per Gedankensteuerung ein Auto fahren kann. Kleiner Fun Fact: Nicht alles hat funktioniert. Auch hier ist vieles Beta, wird aber trotzdem gezeigt und ausprobiert.

Robohund zujm testen im 6s Roboter Store in Shenzhen

[Bild: Roboterhund-Arena im zweiten Stock des Robot Stores]

Danach geht es zu BYD, wo bereits die Eingangshalle gigantisch ist. Es gibt viel zu lernen und viele Automodelle zu bestaunen, dazu eine riesige Patentewand, auf die man sichtlich stolz ist. Zum Abschluss schauen wir uns noch eine E-Tankstelle von BYD an, die im Prinzip wie eine normale Tankstelle aussieht, nur eben mit Stromzapfsäulen statt Zapfhähnen.

BYD Patentwand in Shenzhen

[Bild: Patentewand in der BYD-Eingangshalle in Shenzhen]

Den Vorabend des letzten Tages lassen wir in einem japanischen Restaurant ausklingen. Sehr fancy, fast etwas zu fancy. Aber das Bier ist gut.

Tag 7 – iCarbonX, Huaqiangbei und Phoenix Wings

iCarbonX: Die Digitalisierung des Menschen

Zum Abschluss der Reise wartet noch eine echte Überraschung auf uns. Bei unserem Besuch bei iCarbonX werden wir nicht von einem Sales-Team empfangen, sondern direkt vom Gründer selbst: Wang Jun. Und schnell wird klar, warum dieses Unternehmen international so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. iCarbonX gehört zu einer sehr kleinen Gruppe chinesischer Healthcare-Startups mit Unicorn-Bewertung, also Unternehmen, die bereits mit über einer Milliarde US-Dollar bewertet wurden.

Die Idee dahinter wirkt fast wie Science-Fiction: Der menschliche Körper soll Schritt für Schritt vollständig digitalisiert werden. Über regelmäßige Blutanalysen, genetische Daten, Biomarker und KI-gestützte Auswertungssysteme entsteht langfristig eine Art digitaler Zwilling unserer Gesundheit. Besonders bemerkenswert: Laut Unternehmen sollen bestimmte Analysen perspektivisch bereits für rund 100 Euro möglich werden, inklusive umfangreicher Genom- und Gesundheitsauswertungen.

Natürlich stehen viele regulatorische, ethische und medizinische Fragen noch im Raum. Trotzdem wird deutlich, wie massiv China inzwischen auch im Bereich BioTech, Health AI und Longevity investiert.

Fast noch interessanter als die Technologie selbst ist allerdings Wang Jun als Persönlichkeit. Der ehemalige Genomforscher spricht weniger wie ein klassischer Startup-Gründer, sondern eher wie jemand, der überzeugt ist, dass sich Medizin in den kommenden Jahrzehnten grundlegend verändern wird. Prävention statt reiner Behandlung, permanente Datenauswertung statt punktueller Diagnostik. Ob sich alle Visionen am Ende genauso realisieren lassen, bleibt offen. Aber eines wird bei diesem Besuch klar: Der globale Longevity- und Health-AI-Markt dürfte in den kommenden Jahren massiv an Dynamik gewinnen, und China möchte dabei ganz vorne mitspielen.

Bei IcarbonX-Gruppenbild

[Bild: Gründer Wang Jun bei der Präsentation von iCarbonX]

 

Danach geht es zum berühmten Elektronikmarkt Huaqiangbei in Shenzhen, auf dem man bekanntlich auch ein Smartphone komplett selbst zusammenkaufen und bauen kann. Wir machen die letzten Shopping-Schnäppchen, bevor es weiter zum letzten Programmpunkt geht.

Huaqiangbei melektronik Markt - Grosses Kaufhaus

[Bild: Verkaufsstände auf dem Elektronikmarkt Huaqiangbei in Shenzhen]

 

Wir besuchen Phoenix Wings, die Drohnen-Tochter von SF Express, einem der größten Logistikunternehmen Chinas. Dort sehen wir, wie autonome Transportdrohnen bereits heute auf über 1.500 Routen rund um Shenzhen getestet und eingesetzt werden. Über eine Million Flüge wurden laut Unternehmen bereits durchgeführt. Auffällig ist dabei vor allem: Die Systeme wirken längst nicht mehr wie klassische Pilotprojekte, sondern zunehmend wie echte Infrastruktur für die Logistik der Zukunft. Spannend ist dabei weniger die einzelne Technologie als die Geschwindigkeit, mit der regulatorische Freiräume geschaffen werden, um solche Systeme real zu testen.

Zentrale Leitstelle bei Phoenix Wings in Shenzhen

[Bild: Leitstand von Phoenix Wings im Testbetrieb]

Krönender Abschluss ist die Lichtshow in Shenzhen, bevor sich die Gruppe zerstreut: Ein Teil fliegt direkt zurück, andere verlängern noch zwei bis drei Tage in Hongkong oder Shanghai, wo für die meisten das Abenteuer noch etwas weitergeht.

 

Die wichtigste Erkenntnis

Die größte Erkenntnis dieser Reise war vielleicht gar keine einzelne Technologie, sondern das Zusammenspiel aus Geschwindigkeit, Pragmatismus, Skalierung und gesellschaftlicher Offenheit gegenüber neuen Technologien.

China kopiert nicht mehr einfach westliche Ideen. In vielen Bereichen entstehen mittlerweile eigene Modelle, eigene Plattformen und eigene Innovationslogiken. Natürlich gibt es auch Herausforderungen: Überkapazitäten, geopolitische Spannungen, Datenschutzfragen und regulatorische Risiken bleiben real. Aber ebenso real ist: Die Innovationsgeschwindigkeit vieler chinesischer Unternehmen ist inzwischen enorm.

Und ehrlich gesagt gehört zu unseren wichtigsten Erkenntnissen auch etwas deutlich Bodenständigeres: Die Vielfalt und Qualität der chinesischen Küchen hat wahrscheinlich alles übertroffen, was viele von uns bisher in Deutschland als „chinesisches Essen“ kannten. Von Sichuan-Hotpot über Peking-Ente bis hin zu Yunnan-, Hakka- oder kantonesischer Küche wird schnell klar: China besteht nicht nur aus unterschiedlichen Innovationsökosystemen, sondern auch aus dutzenden kulinarischen Welten. Auch dort gibt es also noch einiges zu lernen.

Mein Fazit

China ist heute nicht mehr nur „Werkbank der Welt“. Das Land entwickelt sich immer stärker zu einem eigenständigen Technologie- und Innovationsökosystem, mit enormem Einfluss auf Mobilität, KI, Robotik, Plattformökonomie und digitale Infrastruktur.

Und vielleicht war genau das die wichtigste Erkenntnis unserer Reise: Man kann China nicht mehr aus der Distanz verstehen. Man muss es erleben.

Wenn Sie selbst erleben möchten, wie sich Chinas Innovationstempo tatsächlich anfühlt: Auf unserer Seite zu den China Innovationsreisen finden Sie alle Informationen zur nächsten Reise im April 2027. Ich freue mich über jede Nachricht dazu.

Häufige Fragen